Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du sitzt wieder im Wartezimmer, zum wiederholten Mal, mit denselben Fragen, die du schon so oft gestellt hast und du findest aber kein Gehör.
SIBO ist einer der Gründe, warum sich Bauchbeschwerden über Jahre hinziehen können, ohne dass wirklich jemand ihnen auf den Grund geht. Die Blähungen nach dem Essen, das Gefühl, dass dein Bauch sich nach jeder Mahlzeit ausdehnt wie ein Ballon, die Unruhe, die einfach nicht weggeht, so vorsichtig du auch isst, all das kennst du vermutlich zur Genüge. Du hast Ernährungspläne befolgt, Lebensmittel gestrichen und wieder eingeführt, Tagebuch geführt über jede Mahlzeit. Und irgendwann kam die Diagnose Reizdarmsyndrom, ein Name für etwas, das sich trotzdem noch anfühlt, als würde niemand wirklich verstehen, was in deinem Körper vorgeht.
Was dabei oft nicht getestet wird, ist SIBO. Eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms, die hinter vielen Reizdarm-Diagnosen steckt, ohne dass sie je zur Sprache kommt.
Was ist SIBO eigentlich?
SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth, auf Deutsch Dünndarmfehlbesiedlung. Normalerweise leben die meisten Bakterien in deinem Dickdarm, während im Dünndarm deutlich weniger sein sollen, denn genau dort findet die eigentliche Nährstoffaufnahme statt. Bei SIBO haben sich Bakterien dort angesiedelt, wo sie eigentlich nicht in dieser Menge hingehören, und beginnen, Nahrungsbestandteile zu verstoffwechseln, die eigentlich für dich bestimmt wären. Dabei entstehen Gase wie Wasserstoff oder Methan – und genau diese Gase sind es, die die Bauchschmerzen, Blähungen und das aufgeblähte Gefühl auslösen, das dir vermutlich nur zu vertraut ist.
Wie entsteht eine Dünndarmfehlbesiedlung?
Dein Dünndarm verfügt eigentlich über mehrere natürliche Schutzmechanismen gegen genau dieses Problem. Einer der wichtigsten ist der migrierende motorische Komplex, (MMC) eine Art Reinigungswelle, die zwischen den Mahlzeiten durch deinen Dünndarm läuft und Nahrungsreste sowie Bakterien weiter Richtung Dickdarm transportiert. Ist dieser Mechanismus gestört, bleiben Bakterien liegen, wo sie eigentlich nicht bleiben sollten, und vermehren sich dort.
Zu den häufigsten Auslösern zählt eine vorausgegangene Magen-Darm-Infektion oder Lebensmittelvergiftung, denn bestimmte bakterielle Giftstoffe können die Nerven beeinträchtigen, die für die Darmbewegung zuständig sind, wodurch der MMC dauerhaft aus dem Takt gerät. Auch chronischer Stress, hormonelle Themen, eine Schilddrüsenunterfunktion oder anatomische Besonderheiten im Verdauungstrakt können eine Rolle spielen. Meistens ist es nicht eine einzelne Ursache, die dahintersteckt, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
SIBO und Reizdarm – wo liegt der Unterschied?
Viele Menschen mit SIBO haben zuvor die Diagnose Reizdarmsyndrom bekommen, weil die Symptome sich stark überschneiden. Der Unterschied liegt darin, dass Reizdarm eine funktionelle Diagnose ist, ein Name für ein Beschwerdebild, bei dem keine organische Ursache gefunden wurde, während SIBO ein konkreter, messbarer Zustand ist, der sich über einen Atemtest nachweisen lässt. Das bedeutet nicht, dass jede Reizdarm-Diagnose eigentlich SIBO ist. Es bedeutet, dass es sich lohnen kann, genauer hinzuschauen, wenn die üblichen Ansätze bislang nicht ausreichend geholfen haben.
Falls du dich testen lassen möchtest, kannst du dies über Sibolab sowie in der Praxis von Philipp Nedelmann (vor Ort in Berlin oder durch die Videosprechstunde) machen.
Und was ist mit den Lebensmittelunverträglichkeiten?
Wichtig zu wissen ist außerdem, dass SIBO nicht immer gleich SIBO ist. Je nachdem, welche Gase die Bakterien im Dünndarm hauptsächlich bilden, kann sich das Beschwerdebild deutlich unterscheiden. Bei der Wasserstoff-dominanten SIBO produzieren die Bakterien vor allem Wasserstoff, was häufig mit Durchfall, Blähungen und Krämpfen einhergeht. Bei der Methan-dominanten SIBO (IMO), sind es methanbildende Mikroorganismen, sogenannte Archaeen, die das Beschwerdebild prägen, das entstehende Methan verlangsamt die Darmbewegung, weshalb diese Form besonders häufig mit Verstopfung verbunden ist. Bei der Schwefelwasserstoff-dominanten SIBO entsteht Schwefelwasserstoff, der oft mit stark riechenden Blähungen sowie teils auch Durchfall in Verbindung gebracht wird.
Häufig kommt noch eine weitere Ebene dazu, denn viele Betroffene bemerken, dass bestimmte Lebensmittel ihre Beschwerden verstärken, und schließen daraus vorschnell auf eine Unverträglichkeit. Dabei können sogenannte FODMAPs eine Rolle spielen, bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die im Dünndarm nur teilweise aufgenommen und dann von Bakterien fermentiert werden. Bei SIBO läuft diese Fermentation bereits weiter oben im Dünndarm ab, weshalb Beschwerden manchmal auffällig schnell nach dem Essen einsetzen.
Eine echte Lebensmittelunverträglichkeit wie eine Laktoseintoleranz oder eine Fruktosemalabsorption ist davon noch einmal etwas anderes, denn dort fehlt schlicht die Fähigkeit, einen bestimmten Stoff zu verdauen. All das zeigt vor allem eines: Deine Beschwerden können mehrere Ebenen haben, die sich überschneiden, weshalb es sich lohnt, nicht nur einzelne Lebensmittel zu meiden, sondern der eigentlichen Ursache nachzugehen.
Was dir bei akuten Beschwerden helfen kann
Neben der eigentlichen Behandlung gibt es Momente, in denen du einfach nur schnell Linderung brauchst. Der Bauch ist aufgebläht, es zieht und drückt und du fragst dich, was jetzt guttun könnte. Ein paar sanfte Dinge, die vielen in genau solchen Momenten helfen: Wärme auf dem Bauch, ein Glas warmes Wasser, ein paar Tropfen Pfefferminzöl, das die Darmmuskulatur entspannen kann, oder eine ruhige Atemtechnik, die deinen Parasympathikus aktiviert und deinem Nervensystem signalisiert, dass gerade keine Gefahr besteht. Auch eine kurze, bewusste Bauchmassage im Uhrzeigersinn kann beruhigend wirken. Was bei akuten Beschwerden konkret sinnvoll ist, hängt immer von deiner individuellen Situation ab. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden gehört die Einschätzung in ärztliche oder heilpraktische Hände.
Wie Bauchhypnose bei SIBO unterstützen kann
Bauchhypnose ersetzt keine SIBO-Behandlung. Die bakterielle Fehlbesiedlung selbst braucht in der Regel einen gezielten Ansatz, meist über pflanzliche oder pharmazeutische Mittel, oft begleitet von einer individuell abgestimmten Ernährung. Was Bauchhypnose leisten kann, liegt auf einer anderen, tiefer liegenden Ebene.
Der migrierende motorische Komplex, der für das Vorbeugen einer erneuten Fehlbesiedlung so entscheidend ist, wird von deinem autonomen Nervensystem gesteuert. Ein Nervensystem, das dauerhaft im Alarmzustand ist, beeinflusst diese Reinigungswelle nachweislich negativ. Genau hier setzt Bauchhypnose an, denn sie spricht direkt mit deinem enterischen Nervensystem und kann helfen, es aus diesem Alarmzustand herauszuführen. Dadurch kann sie einen unterstützenden Beitrag dazu leisten, das Rückfallrisiko nach einer SIBO-Behandlung zu senken und die viszerale Überempfindlichkeit zu normalisieren. Jenes Gefühl, dass ganz normale Verdauungsvorgänge plötzlich als Schmerz oder Unruhe wahrgenommen werden, obwohl eigentlich nichts Bedrohliches passiert.
Genauso wichtig ist die emotionale Seite dieser Geschichte. Wer jahrelang nach einer Erklärung für seine Beschwerden gesucht hat, trägt oft nicht nur die körperliche Symptomatik mit sich, sondern auch die Erschöpfung des ständigen Kontrollierens, Vermeidens und Erklärenmüssens. Bauchhypnose kann helfen, diesen Kreislauf aus Anspannung und Symptomen sanft zu unterbrechen, während die eigentliche Ursache medizinisch behandelt wird und du dich nicht länger allein fühlst mit dem, was dein Körper durchmacht.
Der Weg zurück zu deinem Bauch
Wenn du seit Jahren mit unklaren Bauchbeschwerden lebst und das Gefühl hast, dass Reizdarm nicht die ganze Geschichte erzählt, kann es sich lohnen, das Thema SIBO mit deiner Ärztin oder deinem Arzt anzusprechen. Bist du bereits mittendrin in einer Behandlung oder hast einen Rückfall hinter dir, begleite ich dich gerne mit der Bauchhypnose auf dem Weg dorthin, dass dein Nervensystem und dein Bauch wieder in Ruhe zueinander finden. Mehr über die Grundlagen dazu findest du auch in meinem ersten Artikel Bauchhypnose bei Reizdarm.
Wenn dich das anspricht, schreib mir gerne. Ich bin da.

